Sahara, Marokko!

Vor kurzem habe ich euch die Erzählungen und Bilder zu unserem Aufenthalt in Marrakesch zusammengestellt. Nun folgt der versprochene zweite Teil dieser Reise nach Marokko – die Sahara!

Nach unseren ersten drei Tagen in Marrakech brachen wir morgens um 8 Uhr los zu unserem dreitätigen Trip durch die Sahara. Wir wurden von Ibrahim, unserem Fahrer, und Adil, unserem Guide, von TopDesert pünktlich am vereinbarten Platz abgeholt. Wie ich ja bereits im Marrakech-Beitrag angetönt hatte, durften wir am Tag vor unserem Trip ein sehr spezielles Naturereignis miterleben: schwerer Regenfall und sogar Hagel! Es mutete schon merkwürdig an, als es plötzlich weisse Eiskörner vom Himmel regnete und die engen Gassen des Souk sich innert kürzester Zeit in Sturzbäche verwandelten!

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Diese schweren Regenfälle rissen sogar Strassenteile im Gebirge mit sich. Dies hatte zur Folge, dass unsere Route umgeplant werden musste, da wir die Strasse durch das Atlas-Gebirge nicht passieren konnten. So änderte sich das Ziel unseres ersten Tages direkt in die Sanddünen-Wüste Erg Chebbi. Wir waren gezwungen, einen Umweg um das ganze Atlas-Gebirge zu fahren. Dies ermöglichte uns jedoch, die unglaublich abwechslungsreichen Landschaften der umliegenden Gegend zu besichtigen. Unsere Fahrt wurde stets von dicken Wolken begleitet, welche die Aussicht zusätzlich in ein ganz spezielles Licht rückten. Dabei entstanden ganz phantastische Bilder. Es war wirklich sehr beeindruckend, wie reich dieses Land ist und wie wunderschön!

Während der Fahrt hörten wir uns marrokanische Lieder der Band „Tinariwen“ an, die unser Guide, Adil, für uns mitgebracht hatte. Diese Musik passte so wunderbar zu der Landschaft und verwandelte eine 13-stündige Fahrt in ein unvergessliches Erlebnis! Ich empfehle euch, die Musik auch beim Betrachten der Bilder im Slider abzuspielen:

Kein Unwetter konnte uns stoppen, kein Regen, kein Hagel, kein Nebel, der so dick war, dass Ibrahim, unser Fahrer, kaum fünf Meter weit sehen konnte, als wir den Pass eines Berges überfuhren. Unser Weg führte uns von Marrakesch über Beni Mellal, Midelt, Errachidia und Erfoud bis nach Merzouga und von da an in der Dunkelheit duch die beginnenden Sanddünen zu unserem Camp von Beduinen-Zelten. Trotz der späten Ankunftszeit um 11 Uhr abends erwartete uns ein herzliches Willkommen und ein wärmendes Lagerfeuer. Nachdem wir alle unsere Schlafzelte bezogen hatten, wurden wir ins Dinner-Tent geleitet, wo ein vorzügliches Abendessen für uns zubereitet wurde. Wir füllten unsere leeren Bäuche mit den marrokanischen Spezialitäten und gesellten uns anschliessen zu den Beduinen ans Lagerfeuer, wo Lieder gesungen und die Trommeln bespielt wurden. Obwohl uns die Sprache, die in den Lieder gesungen wurde, fremd war, begriffen wir schnell die Kraft dieser Klänge und Trommelschläge und fühlten uns der Kultur der Wüsten-Berber ein Stück näher. Diese leben stets in Zelten und sind ursprünglich – teilweise sogar heute noch – Nomaden.

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Obwohl es schwer fiel, so früh schon wieder aufzustehen, klingelte unser Wecker um 6 Uhr morgens und wir liessen es uns nicht entgehen, den Sonnenaufgang mitten in den Sanddünen zu geniessen. Und es hat sich wirklich gelohnt! Unvergessliche Momente und Augenblicke der Stille wurden uns zuteil, in denen wir erst die reine Schönheit dieses Naturspektakels begriffen !

„I always knew that there was something between me and the desert. But I haven’t expect that…!“ Coco

Etwa gegen 7 Uhr wurden die Kamele zu uns ins Lager geführt, die uns einmal quer durch die Sanddünen tragen sollten. Nach einem ausgiebigen Fühstück begaben wir uns nach Anweisungen von Adil in die aufgeschnürten Sättel auf den Rücken der Kamele (eigentlich sind es ja Dromedare mit nur einem Hogger, die hierzulande aber „Camels“ genannt werden). Mit zwei kurzen Rucken erhoben sich die zuerst sitzenden Tiere und man überblickte gleich den ganzen Lagerplatz. Sobald alle Teilnehmer aufsassen ging die Reise los in die Tiefen der Sanddünen. Mächtig und beeindruckend erhoben sich die Sandhügel vor uns. Neben den intensiven Rottönen verrieten die langen Schatten der Tiere und ihrer Reiter die noch frühen Morgenstunden. Nach ca. 10 Minuten machten wir schon den ersten Stop und versuchten uns im Sandboarden. Unglaublich, wie gut ein Brett auf diesem Sand gleitet! Nach weiteren 45 Minuten Kamelritt erreichten wir bereits eine kleine Stadt auf der anderen Seite der Dünen. Dort wurden wir von unserem Fahrer, Ibrahim, wieder abgeholt.

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Unsere Tour ging weiter und die Landschaft veränderte sich merklich, die zuvor begrünten Flächen wurden durch die Wüste ersetzt. Dafür erhoben sich immer wieder grüne Oasen mit Dörfern und kleinen Städten aus den sandigen Flächen. Allmälich wurde die Wüste immer steiniger und endete schliesslich in einem hohen Gebirge mit tiefer Schlucht, die wir gut begehen konnten. Die beeindruckenden Felswände erinnerten uns sehr an die Alpen. Das Wasser in dem Bach war hier ganz klar und nicht vom Sand und Schlamm verfärbt, wie in den Ebenen. Diese Schluch nennt sich Todra Gorge.

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Wir begegneten ganz speziellen Felsformationen, die Adil „Monkey feet“ nannte, da sie anscheinend für die ortsansässigen so aussehen. Auf der Weiterfahrt durchquerten wir die Dörfer der Berg-Berber, wo unser Tag auch endete. Wir hielten bei einem wunderbaren Gebäude direkt an einem gebirgigen Hang mit traumhafter Aussicht über das Tal der Dades Gorge! Die Berg-Berber sind keine Nomaden und ihre Gebäude sind daher stabil gebaut. Als wir ankamen ging ein sehr starker Wind, der durch alle Ritzen des Hauses zog. Auch hier bekamen wir die Kraft der Elemente ganz deutlich zu spüren! Also mummelten wir uns im innern des Hauses in gemütliche Decken ein und tranken vor dem Abendessen einen heissen Tee.

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Am nächsten Morgen wurden wir dafür mit einfach wunderschönem Wetter belohnt und konnten unser Frühstück auf der tollen Sonnenterrasse bei schönster Aussicht geniessen. Um 9 Uhr war Ibrahim schon wieder bereit für die Weiterfahrt und bat uns, den 4×4 wieder zu besteigen. Unsere Route führte uns weiter vorbei an dem wunderbaren Wüsten-Ort Skoura mit seinem saftig begrünten Tal und dann weiter hinaus in die weite Fläche. Wieder änderte sich die Landschaft und von der Ferne erkannten wir die wiessen Gipfel der „High Atlas Mountains“. Unterwegs machten wir Halt bei einem Wüstenbrunnen, wo die Hirten ihre Kamele und Ziegenherden tränkten. Auch hier empfanden wir eine tiefe Verbundenheit mit der hiesigen Lebensweise.

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Unsere nächste grosse Station war die Stadt Quarzazate. Hier fand gerade eine Art Kinderwettlauf statt und es blühte das volle Leben! Nach einer kurzen Erfrischung führte uns Ibrahim weiter zur Ksar Aït Ben Haddou. Wenn man eines dieser klassischen Wüstenhäuser sieht mit den vier Türmen an jeder Ecke, dann nennt man dieses „Kasbah“. Mehrere solcher „Kasbahs“ nahe zusammen nennt man „Ksar“. „Aït“ bedeutet „Söhne von“. Somit hat der Stadtname ungefähr folgende Bedeutung: Eine Häusergemeinschaft der Söhne von Ben Haddou. Dies ist der Ort, der in merh als 30 Hollywood-Filmen als Kulisse für bestimmte Szenen diente. Darunter finden wir: Lorence of Arabia, Casablanca, Aladin, Ein Königreich der Himmel, Gladiator, Game of thrones und viele mehr… Eine wunderbare Wüstenstadt an einem Fluss, den man auch Barfuss durchqueren kann! Eine willkommene kleine Erfrischung!

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Nach der Besichtigung dieser altehrwürdigen Stadt und der Einnahme eines bekömmlichen Mittagessens fuhren wir weiter Richtung Berge nach El Glahoui Kashba und Telouet. Hier durften wir lernen, wie das Arganöl aus den Früchten der Pflanzen gewonnen wird, die vor allem im Norden des Landes wachsen. Es war erstaunlich, wie sehr sich auch jetzt wieder die Landschaft änderte. Das Gebrige trug an manchen Stellen aufgrund des unterschiedlichen Gesteins mehrere Farben gleichzeitig – Flecken in Gelb, Hellgrün, Rot und Grau! Nach dem überqueren des Passes fanden wir wieder üppigere Bepflanzung bis hin zu Nadelholzwäldern, welche schon fast wieder die heimatlichen Gefühle der Schweiz in uns aufsteigen liessen.

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Bestens gelaunt durchfuhren wir die teils engen und sehr kurvigen Bergstrassen und folgten nun wieder den Strassenschildern in Richtung Marrakech. Wir bemerkten, wie wir der Stadt immer näher kamen und uns beschlich ein unbeschreibliches Gefühl. Wir waren dieser Kultur nochmals einen grossen Schritt näher gekommen, näher, als wir es uns je vorgestellt hatten. Beginnende Wehmut über das Ende unseres Trips stieg in uns auf. Trotzdem war die Stimmung bombig und wir fuhren, belgeitet von lauter Musik und singend, in Marrakech ein und flitzen in den Gassen um die Kurven, bis wir unser bekanntes Ziel erreichten, von wo aus wir drei Tage zuvor gestartet waren. 1’400km und drei Tage, in denen wir so viel gesehen und erlebt hatten, in denen wir die herzliche Gastfreundschaft dieses wunderschönen Landes kennen lernen durften und in denen uns Adil und Ibrahim Teil ihres Lebens werden liessen! Und so gewannen wir neben unvergesslichen Erinnerungen auch zwei neue Freunde dazu!

Herzlichen Dank an Adil und Ibrahim von TopDesert!!!

Ich freue mich schon jetzt sehr auf meinen nächsten Besuch in Marokko und bin bereits gespannt darauf, was für neue Überraschungen in den weiteren Städten und Landstrichen noch auf uns warten!

Ich hoffe, dass ich auch euch mit meinen zwei Beiträgen zu einer Reise nach Marokko inspirieren konnte!

Herzlichst,
Eure Coco

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